2.4.6 Vertikale Dehnungsfugen

Vertikale Dehnungsfugen

Die Lage der vertikalen Dehnungsfugen richtet sich sowohl nach der Witterungsbeanspruchung (Temperatur, Niederschlag) als auch nach den möglichen Formänderungen des Verblendschalenmauerwerks. Vertikale Dehnungsfugen sollten grundsätzlich nach dem Schema in Bild 2 angeordnet werden. Da die witterungsbedingten Verformungen der Westwand am größten, die der Nordwand am kleinsten sind, gewährleistet die im Bild schematisch dargestellte Dehnungsfugenanordnung für die Westwand die größte und für die Nordwand die kleinste Verformungsmöglichkeit. Anhaltswerte für den Abstand von vertikalen Dehnungsfugen in unbewehrten Verblendschalen enthält die Tabelle 1. Die Werte sind durch Erfahrungen sowie durch theoretische und experimentelle Untersuchungen abgesichert (s. auch [04], [05]). Sie beziehen sich auf die Formänderungswerte in der Tabelle 2 der DIN 1053-1 [03].

Bei Außenschalen von zweischaligem Mauerwerk treten nur temperaturbedingte Formänderungen und Feuchtedehnung (Schwinden, Quellen und ggf. irreversibles Quellen) auf. Außenschalen aus Mauerziegeln schwinden nur sehr wenig, da das Schwinden der Mauerziegel selbst i. d. R. vernachlässigbar klein ist. Mauerziegel können allerdings irreversibel quellen, so dass sich das Mauerwerk zusätzlich zu einer möglichen Erwärmung verlängern kann. Es wird deshalb empfohlen, bei größerem irreversiblen Quellen – über etwa 0,2 mm/m – und längeren Wänden (etwa über 10 m) in den Gebäudeecken Dehnungsfugen anzuordnen, damit die Verformungen schadenfrei aufgenommen werden können.

Wenn die Anordnung der Dehnungsfugen in den Eckbereichen aus architektonischen Gründen nicht erwünscht ist, so können diese auch im halben Dehnungsfugenabstand beidseits der Gebäudeecke vorgesehen werden (s. Bild 3).

Da Dehnungsfugen freie Wandränder darstellen, sind an diesen beidseitig 3 zusätzliche Anker je laufendem Meter Randlänge anzuordnen (s. Bild 3). Erhöhte Rissgefahr besteht i. d. R. im Brüstungsbereich der Außenschalen, bedingt durch höhere Zugspannungen infolge Abkühlung und Schwinden im Bereich der Brüstung und Kerbspannungen in den Brüstungsecken, sowie vertikalen Formänderungsunterschieden zwischen Brüstung und angrenzendem Mauerwerk. Brüstungsrisse lassen sich durch einseitige oder zweiseitige Anordnung von Dehnungsfugen (s. Bild 4) vermeiden. Anstelle der Dehnungsfugen kann auch eine konstruktive Bewehrung im oberen Brüstungsbereich angeordnet werden, um breitere schädliche Risse zu vermeiden (s. Bild 5).

 

Bild 2: Außenschalen (Verblendschalen), vorzugsweise Anordnung
von Dehnungsfugen (schematisierte Darstellung).

Bild 2: Außenschalen (Verblendschalen), vorzugsweise Anordnung von Dehnungsfugen (schematisierte Darstellung).

Bild 3: Außenschalen (Verblendschalen), mögliche Anordnung von vertikalen Dehnungsfugen DF im Eckbereich.

Bild 3: Außenschalen (Verblendschalen), mögliche Anordnung von vertikalen Dehnungsfugen DF im Eckbereich.
© FV Ziegel Nord

Bild 4: Außenschalen (Verblendschalen), Anordnung von Dehnungsfugen
DF im Brüstungsbereich.

Bild 4: Außenschalen (Verblendschalen), Anordnung von Dehnungsfugen DF im Brüstungsbereich.
© Schubert

Bild 5: Außenschalen
(Verblendschalen), Anordnung einer
konstruktiven Bewehrung im
Brüstungsbereich.

Bild 5: Außenschalen (Verblendschalen), Anordnung einer konstruktiven Bewehrung im Brüstungsbereich.
© Schubert

Bild 6:
Kennzeichnende Rissverläufe

Bild 6: Kennzeichnende Rissverläufe
© Schubert

Beurteilung der Risssicherheit | Rechnerische Abschätzung

Mit einem einfachen Berechnungsverfahren, das theoretisch und versuchsmäßig ausreichend begründet ist, können die rissfreie Wandlänge bzw. der Dehnungsfugenabstand von Verblendschalen mit guter Genauigkeit berechnet werden. Die Rechenergebnisse stimmen mit den Praxiserfahrungen zufriedenstellend überein.


Anhaltswerte für den Verhältniswert βz,mw/Ez,mw enthält die Tabelle 2.


Die Gleichung gilt bis zu einem Verhältniswert rissfreie Wandlänge/Wandhöhe = 5. Für den Behinderungsgrad am Wandfuß kann bei der üblichen Ausführung einer Verblendschale auf einer horizontalen Feuchtesperrschicht ein Wert von 0,6 angesetzt werden.


Die rissfreie Wandlänge lr bzw. der Dehnungsfugenabstand ergibt sich aus der folgenden Gleichung:

Empfohlene Dehnungsfugenabstände

Die rissfreie Wandlänge bzw. der Dehnungsfugenabstand kann auch unter Bezug auf die Tabelle 1 am Kapitelanfang angenommen werden. Die Tabellenwerte gelten für übliche Randbedingungen – Schwindendwerte nach Tabelle 2 der DIN 1053-1 – und entsprechen weitgehend den rechnerisch ermittelten Dehnungsfugenabständen und den Praxiserfahrungen. Bei wesentlich veränderten Randbedingungen – z. B. höhere Schwinddehnung – empfiehlt sich die rechnerische Abschätzung.

An dieser Stelle muss auch besonders darauf hingewiesen werden, dass sich Verblendschalen natürlich nicht nur in horizontaler, sondern auch in vertikaler Richtung verformen. Dies ist beim oberen Abschluss der Verblendschale zu berücksichtigen, vor allem bei höheren Verblendschalen. Hier muss unter der dann erforderlichen Abfangung eine funktionsfähige Dehnungsfuge angeordnet werden.

Grafische Ermittlung der rissfreien Wandlänge

Mit Hilfe des Diagramms in Bild 7 kann die rissfreie Wandlänge unter Bezug auf eine standardisierte Höhe der Verblendschale von 1 m und Multiplikation mit der tatsächlichen Höhe ermittelt werden.

Bild 7:
Rissfreie Wandlänge für eine 1 m hohe Wand lr1 in Abhängigkeit von der
Gesamtdehnung ges ε und dem Behinderungsgrad R.

Bild 7: Rissfreie Wandlänge für eine 1 m hohe Wand lr1 in Abhängigkeit von der Gesamtdehnung ges ε und dem Behinderungsgrad R.
© Schubert

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