3.4.1-3 Energiesparverordnung 2009 - Grundlagen

Zielsetzung der Novelle 2009

Die EnEV 2009 als umsetzende Verordnung basiert auf den Rahmenbedingungen zur Wirtschaftlichkeit energiesparender Maßnahmen des im Frühjahr 2009 ebenfalls novellierten Energieeinsparungsgesetz (EnEG). Sie gehört damit zum Recht der Wirtschaft, vor allem der Bau- und Wohnungswirtschaft. Die Gesetzgebungskompetenz des Bundes beruht auf Artikel 74 Abs. 1 Nr. 11 GG. Zur Wahrung der Rechts- und Wirtschaftseinheit ist im gesamtstaatlichen Interesse eine bundesrechtliche Regelung im Sinne des Artikels 72 Abs. 2 GG erforderlich. Insbesondere die vorgesehenen Verschärfungen der materiell-rechtlichen Anforderungen in der Energieeinsparverordnung haben unmittelbaren Einfluss auf die Herstellung der zur Errichtung, Änderung und Nutzung von Gebäuden benötigten Bauprodukte.

Nach den Beschlüssen der Bundesregierung zum Energie- und Klimaprogramm in der Energieeinsparverordnung soll niemand auf Grund der verschärften Anforderungen wirtschaftlich überfordert werden. Nicht zumutbare finanzielle Härten für die betroffenen Hauseigentümer sollen ausdrücklich Berücksichtigung finden. Praktische Bedeutung gewinnt der Grundsatz der wirtschaftlichen Zumutbarkeit bei Anforderungen im Gebäudebestand, insbesondere in Fällen der Kumulation verschiedener Pflichten, z. B. zur Nachrüstung von Gebäuden und Anlagen und zur Außerbetriebnahme elektrischer Speicherheizsysteme.

Die energetische Ertüchtigung des Wohngebäudebestands wird von der Bundesregierung stärker als bisher eingefordert und mit bislang nicht bekannten Bußgeldtatbeständen im Falle der Nichterfüllung sanktioniert. Ebenso soll der Vollzug der Verordnung durch die wachsamen Augen des Schornsteinfegers eine stärkere Umsetzung erfahren als bisher. Parallel zur Novellierung der EnEV ist bereits Anfang 2009 ein weiteres wichtiges Gesetz, das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) in Kraft getreten, das im Neubau den verpflichtenden Einsatz regenerativer Energieträger verlangt. Da dieses Gesetz hinsichtlich der technischen Belange mit dem EnEV–Verfahren korrespondiert, ist eine gegenseitige Abstimmung dieser zwei Regelungen unabdingbar, wenngleich bislang nicht befriedigend erfolgt. Die Nachweisverfahren der Verordnung sollen möglichst für alle Gebäudetypen und -nutzungen vereinheitlicht werden. Dies führt zu einer Anpassung der Rechenprozedur, die mit der nächsten EnEV-Novelle 2012 abgeschlossen werden soll.

Abbildung 1: Von der Raumwärme zum CO2-Verbrauch

Abbildung 1: Von der Raumwärme zum CO2-Verbrauch

Grundlagen

Der Verordnungsgeber ist bei der Festlegung von Anforderungen in der Verordnung, soweit es sich um zu errichtende Gebäude handelt, an die gesetzlichen Auflagen des §5 Abs.1 des Energieeinsparungsgesetzes (EnEG) gebunden. Danach müssen die zusätzlichen, durch die energiesparenden Maßnahmen bedingten Aufwendungen sich generell durch die eintretenden Einsparungen innerhalb der üblichen Nutzungsdauer des Gebäudes und seiner Teile erwirtschaften lassen. Werden Anforderungen im Zusammenhang mit der freiwilligen Änderung bestehender Gebäude gestellt, ist die noch zu erwartende Nutzungsdauer des Gebäudes zu berücksichtigen.

Die Bundesregierung hat zu den geplanten materiellen Verschärfungen, Nachrüst- und Außerbetriebnahmeverpflichtungen gutachterliche Einschätzungen zu den daraus resultierenden Mehrkosten, den Energieeinsparpotentialen und den Amortisationszeiten eingeholt. Die Gutachten sollen belegen, dass die Anforderungen dieser Änderungsverordnung den gesetzlichen Vorgaben an die wirtschaftliche Vertretbarkeit genügen. Bei der Festlegung des erhöhten Anforderungsniveaus muss auf bauwirtschaftliche und bautechnische Gesichtspunkte sowie auf die Zumutbarkeit und Vermittelbarkeit gegenüber den Betroffenen Rücksicht genommen werden. Außerdem gilt es, die absehbaren Baukostensteigerungen durch maßvolle Verschärfungen in Grenzen zu halten. In diesem Zusammenhang ist das derzeitige Angebot an Bauprodukten und Bauweisen zu berücksichtigen.

Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung entschieden, die Verschärfung des Anforderungsniveaus in zwei Schritten zu vollziehen. Neben der nun geltenden Änderungsverordnung 2009 soll im Jahre 2012 ein weiterer Novellierungsschritt vorbereitet werden, der eine neuerliche Verschärfung der energetischen Anforderungen bis zur gleichen Größenordnung erreichen kann, allerdings in Abhängigkeit von den wirtschaftlichen und sonstigen technischen Rahmenbedingungen.

Hinweise zu den Anforderungsgrößen

Durch die Inbezugnahme des primärenergetischen Ansatzes unter Berücksichtigung der Anlagentechnik wird der Eindruck verstärkt, dass eine verbrauchsorientierte Nachweisführung vorliegt und die Ergebnisse recht nah an den tatsächlich zu erwartenden Verbrauchsdaten liegen.

Vor diesen zumindest für den Regelfall unberechtigten Erwartungen soll an dieser Stelle ausdrücklich gewarnt werden. Sämtliche Berechnungen zum Energiebedarf werden mit so genannten normierten Randbedingungen durchgeführt und ergeben einen rechnerischen Endenergie- und Primärenergiebedarf. Dies gilt sowohl für zu errichtende Wohngebäude als auch für Bestandswohngebäude, für die zur Erstellung eines Energieausweises deren Energiebedarf rechnerisch ermittelt wird.

Erst im Gebäudebetrieb unter Berücksichtigung des tatsächlichen Innen- und des Außenklimas, des Nutzerverhaltens und der Betriebsweise der Anlagentechnik stellt sich der dann messbare tatsächliche Energieverbrauch ein. Zwischen diesen beiden Kennwerten kann eine erhebliche Differenz liegen. So besteht im Rahmen der Erstellung von Energieausweisen für Bestandsgebäude durchaus die Möglichkeit, diese auf Basis eines Energieverbrauchs anzufertigen. Aber auch bei Anwendung dieser Prozedur ist zumindest eine rechnerische Korrektur der Klimadaten des betrachteten Verbrauchszeitraums vorzunehmen.

Verordnungstext

Der Verordnungstext der Änderung der Energieeinsparverordnung ist im Bundesgesetzblatt Jahrgang 2009 Teil I Nr. 23 am 30. April 2009 veröffentlicht.

Flankierende Normen und Regeln

Die zur EnEV-Nachweisführung notwendigen Normen sind die DIN 4108 „Wärmeschutz und Energie-Einsparung im Hochbau“ mit insgesamt 9 Normteilen dieser Reihe. Daneben sind europäisch harmonisierte Rechenwerke in Bezug genommen, die vor allem Rechenregeln und Bewertungsverfahren bauphysikalischer Effekte beinhalten. Die Bewertung der Anlagentechnik erfolgt mittels DIN V 4701-10 „Energetische Bewertung heiz- und raumlufttechnischer Anlagen“. Da einige Normpapiere nebeneinander entstanden sind und der Prozess der Harmonisierung noch lange Zeit nicht abgeschlossen ist, lassen sich teilweise widersprüchliche Regelungen nicht vermeiden.

Für Bestandswohngebäude stehen weiterhin die Regeln zur Datenaufnahme und Datenverwendung im Wohngebäudebestand des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung zur Verfügung. Diese werden ergänzt um Regeln zu Verbrauchskennwerten von Wohngebäuden. Diese so genannten allgemein anerkannten Regeln der Technik unterliegen einer ständigen Überarbeitung und müssen daher vom Anwender auf Aktualität laufend überprüft werden.

Zurück

3.3.1 Anforderungen an den baulichen Wärmeschutz

Navigation über Tasten
Weiter

3.5.1-4 Anforderungen an zu errichtende Wohngebäude