6.8.1 Durchfeuchtung / Ausblühungen

Mauerwerk - Wasser - Ausblühungen

Mauerwerk ist grundsätzlich nicht wasserdicht. Dies ist kein Widerspruch. Ist doch der Schutz der inneren tragenden Wand vor Regenwasser eine der wichtigsten Aufgaben der Vormauerschale. Feuchtigkeit im Verblendmauerwerk kann keinen Schaden anrichten, solange die bauphysikalische Kausalkette Aufsaugen-Trocknen über Kapillarität und Diffusion des Mauerwerks gewährleistet ist (siehe Schlagregenschutz 5.2.1).

Die Kapillarität von Stein und Mörtel ist Voraussetzung für die Funktionalität des Mauerwerks, aber auch Grund für die Entstehung von Ausblühungen. Wasser, das in Stein und Mörtel aufgesogen wird, transportiert beim Hinausfließen gelöstes Calciumhydroxid an die Oberfläche des Mauerwerks. Dort verdunstet das Wasser und lässt das weiße feinkristalline Salz zurück. Gelöstes Calciumhydroxid befindet sich vor allem in frischem Mauerwerk, in dem das Abbinden des Zementes noch nicht abgeschlossen ist. Ausblühungen können demnach schon während der Verarbeitung und innerhalb der ersten Jahre nach Errichtung auftreten, insbesondere, wenn Schutzmaßnahmen vernachlässigt werden. Der Schutz von frischem Mauerwerk vor zu schneller Trocknung und Schlagregen dient der vollständigen Bindung bzw. Umwandlung aller wasserlöslichen Bestandteile (Festigkeit und Haftschlüssigkeit) und damit auch der Vermeidung von Ausblühungen. Unachtsamkeit und fehlerhafte Ausführungen erhöhen die Wasserbelastung, beeinträchtigen die Funktionalität und das Erscheinungsbild der zweischaligen Wand. Dauerhafte Durchfeuchtungen führen zu Frostschäden.

Unzureichender konstruktiver Feuchteschutz führt zu Durchfeuchtungen
und Ausblühungen, hier: tiefausgerundete Fugen, fehlende Tropfkante am
Sturz , Fensterbänke aus Rollschichten ohne Überstände

Unzureichender konstruktiver Feuchteschutz führt zu Durchfeuchtungen und Ausblühungen, hier: tiefausgerundete Fugen, fehlende Tropfkante am Sturz , Fensterbänke aus Rollschichten ohne Überstände
© HOCHTIEF Technische Beratung H. Wisslicen

Salz der Fuge

Obwohl der Fugenanteil nur 15 bis 20% des gesamten Mauerwerks beträgt, ist der Gehalt an ausblühfähigen Salzen in der Mörtelfuge erheblich höher als in den Steinen. Ausblühungen an den Rändern des Steines beruhen auf zu hoher Wasserdurchlässigkeit der Fugen. Diese ermöglichen das leichte Eindringen des Regenwassers ins Mauerwerk. Die Verdunstung des Wassers erfolgt dagegen über die Oberfläche des Steins, da dieser im Vergleich zum Mörtel ein erheblich höheres kapillares Saugvermögen besitzt. Wasserlösliche Salze werden im Zuge der kapillaren Wasserleitung an die Oberfläche transportiert. Dort kristallisieren die Salze aus. Ausblühungen verursachen keine Schäden, verschwinden oft durch Witterungseinflüsse im Laufe der Zeit von selbst.

Typisches Erscheinungsbild von Ausblühungen: Getrocknete Salze aus der
Fuge setzen sich am Rand der Steine ab. Die Ursache ist im Einzelfall zu
klären.

Typisches Erscheinungsbild von Ausblühungen: Getrocknete Salze aus der Fuge setzen sich am Rand der Steine ab. Die Ursache ist im Einzelfall zu klären.
© FV Ziegel Nord

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6.7.1 Rissbildung

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6.8.2 Ausblühungen / Auslaugungen