7.5.1 Sanierung bestehender Putzfassaden / Sanierungsdetails

Verblendung bestehender Putzfassaden

Die wärmetechnische Sanierung einer bestehenden Putzfassade mit Ziegelsichtmauerwerk kann durch Vorsetzen einer Verblendschale realisiert werden. Diese Maßnahme setzt eine tragfähige Aufstandsfläche für die Verblendschale voraus.
 
Zur Errichtung einer Verblendschale muss zunächst ein Streifenfundament angelegt werden (Bild 1). Die Breite des Streifenfundamentes richtet sich nach der Dicke der Wärmedämmung und der Verblendschale, die 9 cm, 10,5 cm oder auch 11,5 cm dick sein kann. Die Verblendschale darf nach DIN 1053-1 [1] bis zu einem Drittel ihrer Breite über ihr Auflager vorstehen. Verblendschalen mit Dicken unter 11,5 cm dürfen bis zu 25 mm über ihr Auflager vorstehen. In diesem Fall darf die Verfugung nur in Fugenglattstrich, d.h. im gleichen Zug mit der Vermauerung, durchgeführt werden. 
 
Bei unterkellerten Gebäuden oder bei fehlendem Platz für Gründungen können auch bauaufsichtlich zugelassene Konsolanker zur Auflagerung der Verblendschale zum Einsatz kommen (Bild 2). 
 
Die Errichtung der Verblendschale erfolgt nach DIN 1053-1. In Abhängigkeit von der Saugfähigkeit der Klinker oder Vormauerziegel können geeignete Werktrockenmörtel, entsprechend der Mörtelgruppen MG IIa oder MG II, verwendet werden (Bild 3). 
 
Da die Verblendschale keine tragende Funktion hat, muss sie zur Aufnahme der Windlasten mit dem tragenden Hintermauerwerk befestigt werden. Hierfür werden geeignete Dübelanker in die bestehende Fassade eingedübelt und beim Aufmauern der Verblendschale in die Lagerfugen eingebettet.
 

 

Bild 3: Für die Aufmauerung der Verblendschale sind die Bestimmungen der DIN 1053-1 maßgebend. Bild 1: Zur Aufstellung der Verblendschale kann die Anlegung eines Streifenfundamentes erforderlich sein ... Bild 2: ... oder eine Abfangkonsole für eine nachträgliche Verblendung.

Sanierungsdetails

Auflagerung/Abfangung

Die Auflagerung der Vorsatzschale kann auf bestehenden Fundamentvorsprüngen oder zusätzlichen Fundamenten/Untermauerungen erfolgen. Erdberührende Bereiche müssen vertikal bis in Höhe des Erdreichs durch eine Isolierung gegen Feuchtigkeit geschützt werden: entweder einen 2 cm starken Sperrputz mit mindestens zweifacher Beschichtung oder einer Dickbeschichtung aus Bitumenprodukten. Bestehendes Mauerwerk sollte mit einem Fugenverstrich versehen werden. Die Einmörtelung empfiehlt sich bei unsicherem Untergrund. In allen Fällen sind Lüftungs- bzw. Entwässerungsöffnungen vorzusehen.

Detail Auflagerung Vorsatzschale Zwischen den Bauteilen Giebelwand/seitlicher Anbau sind Dehnungsfugen anzuordnen. Auflagerung der Vorsatzschale auf einem zusätzlichen Fundament Auflagerung der Vorsatzschale auf einem zusätzlichen Fundament

Sanierung bestehender Putzfassaden

Bei nachträglicher Wärmedämmung einer bestehenden Putzfassade mit einem U-Wert ≥ 0,9 W/(m2·K) darf der vorgeschriebene Grenzwert gemäß der EnEV nicht überschritten werden: Umax ≤ 0,35 W/(m2·K). Diese Anforderung wird erfüllt, wenn in Abhängigkeit der Wärmeleitfähigkeit der bestehenden Außenwand 10 cm bis 15 cm Wärmedämmung verwendet wird. So ist bei einem Wärmedurchgangskoeffizient von U ≈ 1,2 W/(m2·K) für die bestehende Wand eine Mindestdicke von 10 cm Wärmedämmung der Wärmeleitfähigkeitsgruppe 040 erforderlich. Sind die U-Werte der bestehenden Außenwand größer als 1,2 W/(m2·K), so sind Dämmungsstärken bis zu 15 cm, eventuell auch mit besseren Wärmeleitzahlen, erforderlich (Bild 4). Die Verblendschale muss zur Aufnahme der Windlasten mit der tragenden Wand verankert werden. Für Dämmstärken bis zu 12 cm sind mind. 5 Anker/m2 und für 12 cm bis 15 cm mindestens 7 Anker/m2 der Durchmesser 4 mm erforderlich. Größere Schalenabstände sind möglich, wenn die Standsicherheit der Verblendschale durch geeignete Ankersysteme nachgewiesen wird. Bei nachträglicher Verblendung einer bestehenden Außenwand ist im Bereich der Anschlüsse auf Wärmebrücken besonderes zu achten. Im Sockelbereich und im Bereich der Sohlbänke, Fensterstürze und -anschläge sind die Wärmebrücken durch den Einbau von Wärmedämmstreifen gemäß DIN 4108 Beiblatt 2 [2] auf ein Minimum zu reduzieren (Bild 5).
Bild 4: Weiche Dämmstoffe sind für Sanierungsmaßnahmen besser geeignet als harte Platten, da sie flexibel sind und eine hohlraumfreie Verarbeitung bei unebenen Untergründen ermöglichen.

Bild 4: Weiche Dämmstoffe sind für Sanierungsmaßnahmen besser geeignet als harte Platten, da sie flexibel sind und eine hohlraumfreie Verarbeitung bei unebenen Untergründen ermöglichen.
© ZWM/KopfKunst

Bild 5: An allen Kontaktflächen zwischen den beiden Schalen sind ausreichend dicke Dämmstreifen entsprechend der DIN 4108 Bbl 2 einzulegen.

Bild 5: An allen Kontaktflächen zwischen den beiden Schalen sind ausreichend dicke Dämmstreifen entsprechend der DIN 4108 Bbl 2 einzulegen.
© ZWM/KopfKunst

Öffnungen

Die Detailausführungen rund um’s Fenster bedürfen wie beim Neubau, auch bei der Sanierung besonderer Sorgfalt. Für die Überdeckung von Öffnungen bestehen zwei Möglichkeiten: die scheitrechte Übermauerung (Grenadierschicht) bis zu einer Öffnungsweite von 1,25 m und den Einsatz von Fertigteilstürzen. Letztere können in die Vormauerschale eingebunden oder an der Hintermauerschale, soweit die Substanz das zulässt, befestigt werden (siehe Verankerung 2.3.4 und Elementbau 2.6.1). Seitlich kann die Verblendschale bündig mit der Altbaulaibung abgeschlossen oder als Ecklaibung ausgebildet werden. Abhängig davon ob die Fenster erhalten oder erneuert werden sollen, müssen bestehende Laibungen abgespitzt oder Fenster umgesetzt werden. Der Feuchteschutz über Folien ist analog den Regelungen beim Neubau auszuführen (siehe 5.1.2 ff).
Bei Arbeitsunterbrechungen wird das Vormauerwerk durch Folien geschützt. Einbindung Fertigteilsturz Verblendung der Laibung; auf eine durchgehende Dämmebene ist zu achten. Alternativen Ausbildung Fensterlaibung:<br>
a) Laibung verblendet<br>
b) Verblendung bündig mit Außenlaibung Alternativen Ausbildung Fensterlaibung:<br>
a) Laibung verblendet<br>
b) Verblendung bündig mit Außenlaibung
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7.5 Sanierung und nachträgliche Wärmedämumung

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7.5.2 Nachträgliche Wärmedämmung zweischaliger Außenwände