7.5.3 Neuverblendung alter Verblendschalen

Neuverblendung unter Beibehaltung der alten Verblendschale

Eine weitere Möglichkeit zur Sanierung von zweischaligen Außenwänden besteht darin, nach Aufbringung von Wärmedämmplatten auf die bestehende Fassade eine neue Verblendschale vor die Alte zu setzen (Bild 8). Allerdings hat diese Methode viele Nachteile, weshalb deren Anwendung nur in Ausnahmefällen in Frage kommen kann.
 
Als erstes müssen die alten Drahtanker von der zweischaligen Außenwand auf ihre korrekte Anzahl und Rostfreiheit untersucht werden.
 
Es muss ein neues Streifenfundament angelegt werden bzw. bei unterkellerten Gebäuden entsprechende Konsolanker montiert werden.
 
Die Ankerdübel dürfen nicht mit der alten Verblendschale verbunden werden, sondern sie müssen mit der alten tragenden Wand befestigt werden. Die alte Verblendschale hat bei diesem Aufbau keine Funktion und wird wie eine Luftschicht angesehen. Dies führt dazu, dass der Abstand der tragenden Wand zur neuen Verblendschale bei Aufbringung einer 10 cm dicken Wärmedämmung etwa 28 cm betragen wird. Für diesen Schalenabstand ist eine Flächenverankerung gemäß 1053-1 nicht mehr zulässig. Das heißt, es dürfen nur spezielle für die Ausführung zugelassene Anker verwendet werden, und die Verankerung der Verblendschale muss statisch nachgewiesen werden.
 
Zu weiteren Nachteilen dieser Methode zählen das Versetzen der Fenster und die Neuanlegung eines Streifenfundamentes.
Bild 8: Das Vorsetzen einer neuen Verblendschale vor eine zweischalige Außenwand ist in wirtschaftlicher Hinsicht und auch unter technischen Gesichtspunkten nicht zu empfehlen.

Bild 8: Das Vorsetzen einer neuen Verblendschale vor eine zweischalige Außenwand ist in wirtschaftlicher Hinsicht und auch unter technischen Gesichtspunkten nicht zu empfehlen.
© ZWM/KopfKunst

Neuverblendung mit Abriss der alten Verblendschale

Die Neuverblendung von zweischaligen Außenwänden stellt eine effektive und dauerhafte Sanierungsmaßnahme dar, wenn die alte Verblendschale abgerissen wird (Bild 9). Diese Vorgehensweise ist in vielerlei Hinsicht die beste Lösung für eine nachträgliche Wärmedämmung von zweischaligen Außenwänden. Sie eignet sich insbesondere für die zweischaligen Außenwände, die vor 1974 erbaut worden sind. Denn nicht nur die geringe Wärmedämmung, sondern vor allem die Unsicherheit über die Standsicherheit dieser Wände rechtfertigt eine wärmetechnische Sanierungsmaßnahme. Neuverblendung unter Beibehaltung der alten Verblendschale Neuverblendung mit Abriss der alten Verblendschale Neuverblendung alter Verblendschalen 7.5.3 Bild 9: Nach Abriss der alten Verblendschale kann die zweischalige Außenwand nach DIN 1053-1 entsprechend den Ausführungshinweisen für neues Mauerwerk errichtet werden.


© ZWM/KopfKunst

Verankerung und Abdichtungsmaßnahmen einer zweischaligen Außenwand

Bisherige Schadensfälle mit zweischaligen Außenwänden mit Erstellungsdatum vor 1974 sind vorwiegend auf Durchrosten der Drahtanker zurückzuführen. Die Verwendung von Drahtankern aus nicht rostendem Stahl nach DIN 17440, Werkstoffnummer 1.4401, 1.4571 oder 1.4580 ist erst seit der Ausgabe November 1974 Bestandteil der Mauerwerksnorm DIN 1053-1. 
 
Prüfung der Verankerung
Die in der Zeit vor 1974 verwendeten Drahtanker sind zwar als „nicht rostend“ bezeichnet worden, haben sich allerdings im Laufe der Jahre nicht als korrosionsbeständig erwiesen. In wieweit die Forderungen der DIN 1053 aus dem Jahre 1974 zur Verwendung von Edelstahlankern sofort in die Praxis umgesetzt worden sind, ist nicht bekannt. Die oberste Bauaufsicht in Schleswig-Holstein hat bereits reagiert und in einem Erlass aus dem Jahre 2002 die Besitzer von zwei- und mehrgeschossigen Häusern aufgefordert, den Bestand der Drahtanker laufend zu prüfen.
 
Eine nachträgliche Wärmedämmung der zweischaligen Außenwände stellt daher eine gute Gelegenheit dar, nicht nur die Verankerung und Abdichtungsmaßnahmen einer zweischaligen Außenwand an den heutigen Baustandard anzupassen, sondern auch durch Aufbringung einer Wärmedämmschicht die Transmissionswärmeverluste durch die Außenwand erheblich zu verbessern. 
 
Das alte Streifenfundament kann auch für die neue Verblendschale herangezogen und bei Bedarf erweitert werden.
 
Nach der neuen EnEV ist für die Berechnung der Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Werte) der Bauteile nicht mehr die Norm DIN 4108-2, sondern die DIN EN ISO 6946 : 1996 [3] maßgebend. 
Bei der Berechnung der U-Werte muss der Einfluss der Wärmebrücken durch mechanische Befestigungsteile, die die Wärmedämmung durchstoßen, wie z.B. Drahtanker oder Konsolen, berücksichtigt werden.
 
In welchem Maße die Wärmedämmung der Außenwand verbessert werden kann, zeigt das nachfolgende Beispiel. 
 
U-Wert der bestehenden Wand: 
    U-Wert = 1,00 W/(m²·K) 
 
Wärmedämmschicht 10 cm: 
    λ-Wert = 0,04 W/(m·K) 
 
Verblendmauerwerk aus Ziegeln, 11,5 cm:
    λ-Wert = 0,81 W/(m·K) 
 
Für diesen Aufbau ist der neue
    U-Wert = 0,26 W/(m²·K).
 
Dies entspricht einer Reduzierung des U-Wertes um etwa 70 %. Die Verbesserung der Wärmedämmung der Außenwand ist ein Beitrag zur Reduzierung der Wärmeverluste des Gebäudes und wirkt sich gleichzeitig auf das Raumklima günstig aus. 
 
Es empfiehlt sich, an der Dicke der Dämmschicht nicht zu sparen und möglichst den gesamten Schalenabstand von 15 cm mit Dämmung auszufüllen. Eine nachträgliche Nachbesserung der Wärmedämmung lässt sich meist nicht mehr mit vertretbarem Aufwand realisieren. 
 
Der in DIN 1053-1 vorgeschriebene Maximalabstand der beiden Schalen bei zweischaliger Außenwand darf auf 17 cm vergrößert werden, wenn spezielle Drahtanker mit bauaufsichtlicher Zulassung verwendet werden. Ein Rechenbeispiel zur Ermittlung der U-Werte nach DIN EN ISO 6946 unter Berücksichtigung des Wärmebrückeneinflusses durch Drahtanker findet sich in [4].
Die Vorteile dieser Sanierungsmaßnahme bestehen vor allem darin, dass die Erstellung der Verblendschale nach Entfernung der alten Verblendschale wie beim Neubau von zweischaligen Außenwänden gemäß DIN 1053-1 erfolgen kann. Somit können die Drahtanker und Abdichtungsmaßnahmen gemäß der dortigen Ausführungshinweise fachgerecht und dauerhaft umgesetzt werden. Insbesondere zur Umsetzung einer normgerechten Sockelabdichtung können die Hinweise in [4] hilfreich sein.
 
Die Gefahr von Wärmebrücken kann durch Umsetzung der in DIN 4108 Beiblatt 2 empfohlenen Anschlussdetails auf ein Minimum reduziert werden. Auf Grundlage dieser Empfehlungen wurden speziell für die zweischalige Außenwand praxistaugliche Anschlussdetails entwickelt, die gemeinsam mit vielen anderen Planungs- und Ausführungshinweisen sowie der neuen EnEV in einem Regelwerk zusammengestellt sind [5].
 
 
 
 
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7.5.2 Nachträgliche Wärmedämmung zweischaliger Außenwände

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