8.1.1-2 Technische Regeln

Backstein - ein Begriff für viele andere

Ob Handformstein, Strangpressziegel, Verblender, Vormauerziegel oder Klinker: immer ist Backstein gemeint. Begriffe, Anwendungsbereiche, Ziegelarten, Anforderungen wie Formate, Maße, Rohdichte, Druckfestigkeit, Frostbeständigkeit, der Gehalt an treibenden Einschlüssen sowie schädlichen und ausblühenden Salzen – all dies ist in der Norm DIN 105 geregelt (siehe auch Baustoffkunde 1).
 
Für die verschiedenen Ziegelarten gelten folgende Kurzzeichen:
Mz Vollziegel
VMz Vormauer-Vollziegel
KMz Vollklinker
KHLz Hochlochklinker
KK Keramik-Vollklinker
KHK Keramikhochlochklinker
 
Formziegel und Handformziegel haben keine Kurzzeichen. Vormauerziegel oder Klinker mit von den Nennmaßen abweichenden Werkmaßen erhalten zum Kurzzeichen den Kleinbuchstaben v bzw. k (z. B. vMz, kMz). Ziegel sind in der Reihenfolge DIN Hauptnummer, Ziegelart (Kurzzeichen), Druckfestigkeitsklasse, Rohdichteklasse und Format-Kurzzeichen zu bezeichnen, Beispiel: Vollziegel, Druckfestigkeitsklasse 60, Rohdichteklasse 1,8: Ziegel DIN 105, VMz, 60, 1,8, 2 DF.


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Die Zweischalige Wand - Teilbereich des Mauerwerkbaus

Der Themenkomplex der zweischaligen Wand umfasst die Außenwand mit besonderem Augenmerk auf der Vormauerschale. Folglich beschränkt sich die Darstellung der Technischen Regeln auf diesen Bereich des Mauerwerkbaus. Die Technischen Baubestimmungen zum Mauerwerkbau sind in der DIN 1053, Teile 1-4 aufgeführt. Im Abschnitt 8.4.3 der DIN 1053-1 werden die Grundlagen zur zweischaligen Wand abgehandelt. Die Ausführungen dieses Abschnitts sind in die entsprechenden Rubriken der vorliegenden Publikation z.T. als Zitat eingearbeitet. Die Technischen Baubestimmungen zu den Mauerziegeln befinden sich in der DIN 105, ebenfalls Teile 1-4. Zusätzliche Ausführungsbestimmungen enthält auch die Verdingungsordnung für das Bauwesen (VOB). Diese befinden sich in der Rubrik Ausschreibung 9.1.1 - 9.1.2.

Mauerwerksnorm 1053 - Technische Baubestimmungen

Die technischen Regeln der Bauart Mauerwerk sind durch öffentliche Bekanntmachung in der Liste der Technischen Baubestimmungen – der Bauregelliste A Teil 1 – bauaufsichtlich eingeführt und somit nach den Landesbauordnungen zu beachten. Der Begriff Bauart bezeichnet das Zusammenfügen von Bauprodukten zu baulichen Anlagen oder Teilen baulicher Anlagen. Bauprodukte und Bauarten, die mit den in dieser Liste aufgeführten technischen Regeln übereinstimmen, werden als geregelte Bauprodukte oder Bauarten bezeichnet. Für diese müssen keine besonderen bauaufsichtlichen Verwendbarkeitsnachweise geführt werden.

Die Liste umfasst für den Mauerwerkbau folgende technische Regeln:

DIN 1053-1: Mauerwerk, Berechnung und Ausführung
(Stand 11.96)

  • Begriffe wie Rezeptmauerwerk, Mauerwerk nach Eignungsprüfung, Tragende, Aussteifende und Nichttragende Wände, Ringanker, Ringbalken
  • Baustoffe: Mauersteine, Mauermörtel sowie deren Verarbeitung 
  • Vereinfachtes Berechnungsverfahren (für Standsicherheitsnachweis, wenn Gebäudehöhe über Gelände nicht mehr als 20 m und beschränkte Stützweiten der Decken) 
  • Genaueres Berechnungsverfahren, Bauteile und Konstruktionsdetails: jegliche Art von Wänden, Gewölben sowie Ringanker und -balken 
  • Ausführung Mauerwerk: Fugen, Verbände, Mauern bei Frost 
  • Eignungsprüfungen 
  • Kontrollen und Güteprüfung auf der Baustelle
  • Natursteinmauerwerk 
  • Anhang A Mauermörtel: Arten, Bestandteile, Anforderungen, Herstellung, Eignung

 

DIN 1053-2: Mauerfestigkeitsklassen aufgrund von Eignungsprüfungen 

  • Festlegung von Mauerfestigkeitsklassen, Baustoffe, Eignungsprüfung, Güteüberwachung

 

DIN 1053-3: Bewehrtes Mauerwerk; Berechnung und Ausführung

DIN 1053-4: Bauten aus Ziegelfertigbauteilen

DIN V ENV 1996-1-1; Vornorm des Eurocode EC 6

Bauaufsichtliche Zulassungen

Allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen werden an Bauprodukte und Bauarten vergeben, die nicht in Normen geregelt sind. Der Begriff nicht geregelt heißt nicht nicht geeignet, sondern erfasst Bauprodukte/Bauarten, für die 

  • zwar technische Regeln in der Bauregelliste A Teil 1 bekanntgemacht wurden, die aber von diesen wesentlich abweichen oder 
  • für die es solche Regeln, Technische Baubestimmungen oder anerkannte Regeln der Baukunst nicht gibt.

 

DIN-Normen stellen anerkannte Regeln der Baukunst dar. Diese enthalten Produkte und Ausführungsarten, die sich über lange Zeit bewährt haben und ein Qualitätsniveau definieren. Anders: Wer nach DIN baut, benötigt keine besonderen Nachweise für die Eignung von Produkten und Bauart.

 

Bauprodukte/Bauarten nach allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen sind entweder neu oder weisen besondere Abweichungen im Vergleich zu den bereits genormten auf. Der Verwendbarkeitsnachweis wird ausgestellt in Form a) einer allgemein bauaufsichtlichen Zulassung,
b) eines allgemein bauaufsichtlichen Prüfungszeugnisses (beide für Serienprodukte/-verfahren) oder
c) einer Zustimmung im Einzelfall.

Die Erteilung allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassungen erfolgt bundesweit allein durch das Deutsche Institut für Bautechnik in Berlin. Die Zulassungen sind bei den Herstellern einzusehen.

Eurocode EC 6

Die Eurocodes für den Konstruktiven Ingenieurbau bilden eine Gruppe von acht Normen für den Entwurf, die Berechnung und die Bemessung von Tragwerken des Hoch- und Ingenieurbaus. Sie umfassen die Bauausführung und Güteüberwachung. Mit den Eurocodes wird die europäische Harmonisierung technischer Baubestimmungen betrieben. Alle Eurocodes bestehen als Vornormen und sollen in den nächsten Jahren in allen Ländern der EU die nationalen Normen ersetzen. Der Eurocode EC 6: ENV 1996 Mauerwerk befasst sich mit dem Entwurf, der Berechnung und der Bemessung von Tragwerken aus Mauerwerk. Er wur - de als Vornorm DIN V ENV 1996-1-1 12.96, mit einer dreijährigen Erprobungszeit herausgegeben. Die ENV bezeichnet europäische Produktnormen (Mauersteine, Mauermörtel, Ergänzungsbauteile, Putzmörtel), die bislang noch nicht verfügbar sind. Auch enthält sie Mauerwerkbauweisen, wie vorgespanntes und ein gefasstes Mauerwerk, die bisher in Deutschland nicht angewendet werden. Die DIN V ENV 1996 kann daher nur mit einem Nationalen Anwendungsdokument (NAD) und dann wahlweise zur DIN 1053-1 für jeweils komplette Bauwerke (nicht für Bauteile) angewendet werden. Im Jahr 2002 soll der EC 6 (EN 1996-1-1) fertiggestellt sein. Produkte, die EU-Norm entsprechen, können heute schon mit dem CE-Zeichen gekennzeichnet werden.

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7.8.1 Literaturhinweise

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8.2.1-2 Backstein Kennwerte