2.4.5 Dehnungsfugen in der Außenschale

Fugenbreite, Fugenausbildung, Fugendichtstoffe

Die Dehnungsfuge in der Außenschale kann man ohne weiteres als eine Art Lebensversicherung für die Fassade ansehen. Exaktes und gründliches Arbeiten ist daher von größter Wichtigkeit. Damit die Dehnungsfuge ihre Aufgaben in der Außenschale zuverlässig und einwandfrei erfüllen kann, müssen eine Reihe wichtiger Faktoren beachtet werden: Die korrekte Berechnung ihrer Breite, ihre Anordnung in der Wand sowie Unterschiede zwischen vertikaler und horizontaler Ausführung in Bezug auf Witterungsaspekte und potenzielle Formveränderungen.

Die Aufgabe einer Dehnungsfuge ist es, die Verformungen der angrenzenden Bauteile (Verkürzungen, Verlängerungen) spannungsfrei aufzunehmen.

Bei der Bemessung der Fugenbreite ist besonders zu beachten, dass nur etwa 25 % der Fugenbreite dauerhaft verformungswirksam, d. h. nahezu spannungsfrei wirksam, sind. Deshalb müssen die Längenänderungen aus den angrenzenden Bauteilen mit dem Faktor 4 multipliziert werden, um die Breite der Dehnungsfuge zu erhalten. In jedem Falle sollte jedoch die Breite einer Dehnungsfuge mindestens 10 mm betragen.

Anhaltswerte für die Breite der Dehnungsfuge bDF bei Verblendschalen sind [01]:

1. horizontale Dehnungsfuge:
bHDF ≥ 2 x  _IW__
                    1000

2. vertikale Dehnungsfuge:
bVDF ≥ 1,5 x _IW__
                    1000

mit
IW               Wandlänge (mm)

Angaben zur konstruktiven Ausbildung und zu anwendbaren Fugendichtstoffen enthält die DIN 18 540 [02].
Für die konstruktive Ausbildung ist folgendes zu beachten: 

  • Die Fugenflanken müssen bis zu einer Tiefe der zweifachen Fugenbreite, min. aber 30 mm parallel verlaufen, damit das Hinterfüllmaterial ausreichenden Halt findet. 
  • Die Fugenflanken müssen vollfugig, sauber und frei von Stoffen sein, die das Haften und Erhärten der Fugendichtungsmasse beeinträchtigen. 
  • Die Mörtelfugen müssen im Bereich der Fugenflanken bündig abgestrichen sein.

Als Abdichtungsstoffe kommen in Frage:

  • Fugendichtstoffe 
  • Dichtungsbänder 
  • Abdeckprofile

Für zweischalige Außenwände werden i. d. R. Fugendichtstoffe, aber auch Fugendichtungsbänder verwendet. Die Bandprofile werden zusammengedrückt und in die Fuge eingelegt. Sie sind auch werkseitig vorkomprimiert (z. B. auf Rollen) erhältlich. Nach Lösen der Komprimierung, d. h. nach Abnahme des Fugendichtbandes von der Rolle, entwickelt das Band eine Rückstellkraft, die es fest gegen die Fugenflanken drückt. Vor dem Einbringen des Bandes muss die Fuge nur grob gereinigt werden. Das Band kann von der Rolle in die Fuge verlegt werden. Kleinere, bauübliche Unebenheiten in der Fuge werden durch den ständigen Anpressdruck ausgeglichen.

Fugenausbildung mit verschiedenen Verschlussmaterialien Horizontale Dehnungsfuge
1. Fuge gestaucht |
2. Fuge gedehnt |
3. geschlossenzelliges
Schaumstoffprofil |
4. Haftgrundierung |
5. elastoplastischer Dichtstoff 
(Fugendichtmasse) |
6. Halfen Konsolanker Vertikale Dehnungsfuge

Anordnung - Allgemeines

In der Außenschale (Verblendschale) von zweischaligen Außenwänden nach DIN 1053-1 [03] sind Dehnungsfugen anzuordnen. Dazu heißt es im Abschnitt 8.4.3.1 h der DIN:


„In der Außenschale sollen vertikale Dehnungsfugen angeordnet werden. Ihre Abstände richten sich nach der klimatischen Beanspruchung (Temperatur, Feuchte usw.), der Art der Baustoffe und der Farbe der äußeren Wandfläche. Darüber hinaus muss die freie Beweglichkeit der Außenschale auch in vertikaler Richtung sichergestellt sein.


Die unterschiedlichen Verformungen der Außen- und Innenschale sind insbesondere bei Gebäuden mit über mehrere Geschosse durchgehender Außenschale auch bei der Ausführung der Türen und Fenster zu beachten. Die Mauerwerksschalen sind an ihren Berührungspunkten (z. B. Fenster und Türanschlägen) durch eine wasserundurchlässige Sperrschicht zu trennen. Die Dehnungsfugen sind mit einem geeigneten Material dauerhaft und dicht zu schließen.“

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