2.1.2 Maßordnung

Steinformat, Bauricht- und nennmaß

Zur Mauerwerk gerechten Planung und Ausführung sollte jedem Bauwerk das oktametrische Maßsystem der Mauersteine zugrunde gelegt werden. Die Maßordnung bestimmt wesentlich das Erscheinungsbild von Sichtmauerwerkbauten. In Deutschland gilt seit 1955 die DIN 4172 Maßordnung im Hochbau, die auf einem Modul von 12,5 cm basiert. Dieses umfasst Stein und Mörtelfuge, ausgehend von 1,0 cm Fuge. Die Maße von Steinen und Bauteilen beruhen auf dem Modul bzw. geradzahligen Vielfachen.

Der Begriff Modul bezeichnet hier die Basis eines Maßsystems und ist nicht zu verwechseln mit Modulsteinen (siehe Formate 1.4.1). Für die Steinformate muss jeweils das Fugenmaß vom Modulmaß abgezogen werden. So hat ein Backstein in Dünnformat (DF) eine Länge von 24 cm (Toleranz erlaubt), mit Fuge also 25 cm und eine Steinbreite von 11,5 cm, mit Fuge 12,5 cm. Die Höhe des Steines beträgt 5,2 cm, mit Fuge 6,25 cm – die Hälfte von 12,5 cm. 6,25 cm wird auch als Schichtmaß bezeichnet.

Steinformate
Länge l, Breite b,
Höhe h (in mm)

Dünnformat DF
240 / 115 / 52

Normalformat NF
240 / 115 / 71

1 1/2 NF = 2 DF
240 / 115 / 113

Für Backsteine gibt es noch eine Reihe weiterer Formate, die jedoch nicht auf dem oktametrischen Maßsystem beruhen (siehe Formate 1.5.1).


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Bauteilnennmaße

Das Modul 12,5 mit seinen Vielfachen ist ebenfalls Grundlage der Baurichtmaße: Aus diesen ergeben sich durch Abzug oder Addition des Fugenmaßes von 1,0 cm die Bauteilnennmaße:

Pfeilermaß
x mal 12,5 (25) – 1,0
Öffnungsmaß
x mal 12,5 (25) + 1,0
Vorlagenmaß
x mal 12,5 (25)

 

x = Anzahl der Steine inkl. Fuge

Die Vorzugsgrößen von Öffnungen (Türen und Fenster) sind auf die Maßordnung abgestimmt. In der Praxis können die Maße nicht exakt eingehalten werden. Daher wird durch Quetschen oder Strecken (nicht mehr als 1,5 cm) der Stoßfugen Passgenauigkeit hergestellt.

Modulordnung

Neben der oktametrischen besteht außerdem eine dezimetrische Maßordnung: die Modulordnung nach DIN 18000. Die Einheiten der Modulordnung sind der Grundmodul M = 10 cm und die Multimodulen genannten ganzzahligen Vielfachen. Waagerechte Multimodulen sind 3 M = 30 cm, 6 M = 60 cm und 12 M = 120 cm. Die Modulordnung folgt einem räumlichen, rechtwinkligen Koordinatensystem (Basis 10 cm) als Bezugssystem für Bauteile und Bauwerke. Um der dezimetrischen Maßordnung gerecht zu werden, werden spezielle Steine gefertigt (siehe Formate 1.4.1). Für den Mauerwerkbau ist auf Grund der üblichen Steinmaße das oktametrische Maßsystem jedoch günstiger: konstruktiv und gestalterisch. Andererseits bestehen Möglichkeiten, Mauerwerkbauteile dem dezimetrischen System in den Längen anzupassen:

  • Ausgleich über Variation der Dicke von Stoßfugen des Mauerwerks und von Anschlussfugen
  • Mitverwendung von Steinen, die wenigstens in einer Kantenlänge die Maße 17,5 cm oder 30 cm aufweisen – diese entsprechen den Nennmaßen der DIN 4172 
  • Mitverwendung passender Teilsteine, die auf der Baustelle durch Schlagen oder mit der Trennscheibe hergestellt werden.
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2.1.1 Entwurf und Konstruktion

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2.2.1 Das Prinzip Zweischalige Wand