2.2.3-4 Zweischalige Wand mit Luftschicht und Wärmedämmung

Bauweise nach Norm

Das System der zweischaligen Wand besteht aus vier Schichten: der tragenden Innenschale (Hintermauerschale), der nichttragenden Außenschale (Vormauerschale), der Dämmschicht und der Luftschicht. Der konstruktiv maximale Schalenabstand beträgt 15 cm. Um eine Hinterlüftung zu gewährleisten, muss die Luftschicht mindestens 4 cm dick sein. Die maximale Stärke der Dämmschicht beträgt daher 11 cm.

An die Luftschicht werden außerdem folgende Anforderungen gestellt: 

  • Die Mindestdicke von 4 cm darf in der gesamten Wandhöhe nicht durch Mörtelreste oder andere Gegenstände eingeengt werden.
  • Durch die Anordnung von Lüftungsöffnungen am Fußpunkt und am oberen Ende des Verblendmauerwerks muss eine Luftzirkulation im Hohlraum gewährleistet sein.
  • Bei Unterbrechungen im Hohlraum, etwa durch Fensterbänke, müssen zusätzliche Lüftungsöffnungen im Verblendmauerwerk vorgesehen werden.


© Roland Halbe

Feuchteschutz

Die Innenschalen und die Geschossdecken sind an den Fußpunkten der Zwischenräume der Wandschalen gegen Feuchtigkeit zu schützen. Die Abdichtung – am besten mit bitumenbeständigen Folien – ist im Bereich des Zwischenraumes mit Gefälle nach außen, im Bereich der Außenschale horizontal zu verlegen. Dieses gilt auch bei Fenster- und Türstürzen, sowie im Bereich von Sohlbänken. Die Aufstandsfläche muss so beschaffen sein, dass ein Abrutschen der Außenschale auf ihr nicht eintritt. Die Dichtungsbahn für die untere Sperrschicht muss DIN 18195-4 entsprechen. Sie ist bis zur Vorderkante der Außenschale zu verlegen, an der Innenschale hochzuführen und zu befestigen. Die Dichtungsbahn muss unterstützt werden, sei es durch einen Dämmkeil oder durch eine Untermörtelung. Die Öffnungen zur Hinterlüftung sind in der 1. Steinschicht vorzusehen (siehe Feuchteschutz 5.1.2).

Ansicht Eingang und Fassadenschnitt der Schule in Ostfildern
(Architekten Lederer, Ragnarsdottir, Oei, Karlsruhe, Stuttgart)

Ansicht Eingang und Fassadenschnitt der Schule in Ostfildern (Architekten Lederer, Ragnarsdottir, Oei, Karlsruhe, Stuttgart)

Hinterlüftung nach Norm

Vormauerschalen in zweischaligen Wänden mit Luftschicht und Wärmedämmung müssen unten und oben mit Lüftungsöffnungen (z. B. offene Stoßfugen) versehen werden. Die unteren Öffnungen dienen auch der Entwässerung. Das gilt auch für die Brüstungsbereiche der Außenschale. Die Lüftungsöffnungen sollen auf 20 Wandfläche (Fenster und Türen eingerechnet) eine Fläche von jeweils 7500 m haben. Die Luftschicht darf erst 100 mm über Erdgleiche beginnen und muss von dort bzw. von der Oberkante Abfangkonstruktion bis zum Dach bzw. Unterkante Abfangkonstruktion ohne Unterbrechung hochgeführt werden.

Reihenhausanlage im Münsterland, Architekten: Prof. H. Pfeiffer,
Ch. Ellermann, J. Preckel, Lüdinghausen

Reihenhausanlage im Münsterland, Architekten: Prof. H. Pfeiffer, Ch. Ellermann, J. Preckel, Lüdinghausen
© Christian Richters

Fassadenbilder

Die Öffnungen zur Hinterlüftung und Entwässerung, meist offene Stoßfugen, sind unverzichtbare und typische Kennzeichen der zweischaligen Wand. Diese sind technische Notwendigkeit und zugleich Gestaltungselement der unterschiedlichsten Fassadenbilder. Nebeneffekt: Schon auf den ersten Blick lässt sich zumindest die konstruktive Voraussetzung für die Funktionsfähigkeit der zweischaligen Wand mit Luftschicht und Wärmedämmung überprüfen.


© Wehmann-Ziegel

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2.2.2 Bauweisen Zweischalige Wand nach DIN 1053-1

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