2.4.1 Verband und Fuge

Bautechnik und Gestaltung

Verband und Fuge verleihen dem Sichtmauerwerk sein typisches, dabei durchaus individuelles Erscheinungsbild. Über die Jahrhunderte wurden unterschiedliche (regionale) Vermauerungsarten entwickelt – ob feste Muster wie der Läuferverband oder unregelmäßige Anordnungen wie der Wilde Verband. Die Verbände und Fugen haben zunächst konstruktive Funktionen wie Mindestüberdeckung und haftschlüssige Verbindung der Steine. So müssen Stoß- und Längsfugen über einanderliegender Schichten versetzt sein: Das Überbindemaß ü muss ≥ 0,4 h ≥ 4,5 cm betragen, wobei h die Steinhöhe (Sollmaß) ist. Der größere Wert ist maßgebend. Die Steine einer Schicht müssen in einer Höhe vermauert sein. Verbände dienen außerdem der Gestaltung, ob in rein konstruktiver Form oder mittels Zierverbänden aus farbigen Steinen und Fugen sowie der Fugenausbildung (glatt, schräg, konkav). Dehnungsfugen gewährleisten außerdem thermisch und statisch bedingte Bewegungen des Mauerwerks. Die Anordnung erfolgt nach statischen Anforderungen – die geschickte Anwendung der Statik bietet dennoch einen gewissen Freiraum in der Gestaltung.

Fernmeldeamt Flensburg, Architekt OPD Kiel, Karl-Heinz Sönnigsen

Fernmeldeamt Flensburg, Architekt OPD Kiel, Karl-Heinz Sönnigsen
© Bockhorner Klinker

Mörtelfugen im Verblendmauerwerk

Die Fuge hat als Bindeglied der Einzelelemente konstruktive Bedeutung und spielt auch als Gestaltungsmittel eine wichtige Rolle. Mit der Wahl der Fugenstruktur und -farbe kann das Gesamtbild der Fassade entscheidend beeinflusst werden. Eine tief zurückliegende Fuge beispielsweise verstärkt die Licht- und Schattenwirkung durch dunklen Schattenwurf. Bündig mit der Mauerwerksoberfläche ausgebildete Fugen werfen keinen Schatten, betonen aber dafür die Gesamtfläche der Wand. Technisch die beste Lösung stellt die voll- und glattausgeführte Fuge wie auf Bild 1 dar.

Dies wird dadurch ermöglicht, dass der Mauermörtel gleich im Zuge der Mauerarbeiten glatt gestrichen wird. Dadurch wird ein homogenes, durchgehendes Fugenbett hergestellt. Die Mörtelfugen im Verblendmauerwerk können auch wie auf den Bildern 2 und 3 zur Betonung der plastischen Wirkung der Fassade zurückliegend und abgeschrägt ausgebildet werden.

Die bisherigen Erfahrungen mit vielen Ziegelfassaden in Norddeutschland haben gezeigt, dass zurückliegende Fugen im Verblendmauerwerk, Varianten 2 und 3, als schlagregensicher und dauerhaft anzusehen sind. Allerdings ist die Herstellung dieser Fugen wegen der zurückliegenden Form mit mehr Arbeitsaufwand verbunden.

Im Allgemeinen sollen die Stoßfugen 1 cm und die Lagerfugen 1,2 cm dick sein. Kleine Abweichungen sind zulässig

Fuge und Farbe

Sichtmauerwerk erhält durch den Einsatz von farbigen Fugmörteln – beispielsweise weiß, grau oder rot – unterschiedliche Erscheinungsbilder.

Verfugen und Fugenbilder

Für das Verfugen stehen zwei Methoden zur Verfügung: der Fugenglattstrich und das nachträgliche Verfugen (siehe Ausführung 6). Der Fugenglattstrich erfolgt in einem Arbeitsgang mit dem Vermauern; die Fugen sind bündig mit den Steinen. Bei der nachträglichen Verfugung werden die Stoß- und Lagerfugen beim Vermauern ausgekratzt. Die ganze Fassade wird später in einem Arbeitsgang verfugt.

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2.3.4-6 Abfangungen

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2.4.2-3 Mauerverbände