2.2.6-7 Zweischalige Wand im Praxistest

Bauweise im Feldversuch

Der Fachverband Ziegel Nord hat in den vergangenen Jahren untersucht, inwieweit bei üblichen Baustellenbedingungen zweischalige Außenwände mit Luftschicht und Wärmedämmung normgerecht ausgeführt werden können. Im Fokus standen die in der DIN 1053-1 geforderten Kriterien der durchgehenden Mindest-Luftschichtdicke und die Anordnung der Belüftungsöffnungen im Verblendmauerwerk. Von insgesamt 300 frei ausgesuchten Objekten in Norddeutschland erfüllte nicht ein einziges die beiden genannten Anforderungen – ohne allerdings Schäden aufzuzeigen. Fazit: Eine normgerechte Erstellung dieser Konstruktion lässt sich unter üblichen Baustellenbedingungen nur in Ausnahmefällen realisieren. Ursachen sind durchaus fehlende Qualifikation oder Sorgfalt bei der Bauausführung, in erster Linie aber die nicht mehr praxisgerechten Anforderungen der Norm an den Aufbau zweischaliger Wände mit Luftschicht und Wärmedämmung.

Stand der Technik in der Praxis: rückseitiger Mörtelwulst, ein kaum vermeidbares
Ausführungsproblem; eine durchgehende Hinterlüftung ist nicht
gewährleistet.

Stand der Technik in der Praxis: rückseitiger Mörtelwulst, ein kaum vermeidbares Ausführungsproblem; eine durchgehende Hinterlüftung ist nicht gewährleistet.
© ZWM/KopfKunst

Häufig zu beobachten: Die in der DIN geforderten Lüftungsöffnungen, hier
unter der als Rollschicht ausgeführten Fensterbank, fehlen.

Häufig zu beobachten: Die in der DIN geforderten Lüftungsöffnungen, hier unter der als Rollschicht ausgeführten Fensterbank, fehlen.
© ZWM/KopfKunst

Vollwärmeschutz ohne Risiko

Charakteristisch für die zweischalige Außenwand mit Luftschicht und Wärmedämmung ist die Hinterlüftung Voraussetzung für die Funktionsfähigkeit der Außenwand. Nach DIN 1053-1 soll der Lüftungsquerschnitt durchgehend 4 cm betragen. Die Notwendigkeit einer belüfteten Hohlschicht in zweischaligen Außenwänden beruht auf dem Stand der 1950er Jahre. Belüftung und Hohlraum sollten die Verdunstung an der Rückseite der Außenschale und der Außenseite der Innenschale unterstützen, somit eine schnelle Austrocknung der gesamten Wand ermöglichen. Eine Strategie, mit der Frost in den Vormauersteinen verhindert und eine bessere Wärmedämmung der gesamten, weil trockenen Wand erreicht werden sollte. Laborversuche und Erfahrungen aus der Praxis haben den Stand der Technik verändert. Heute weiß man: Die Mindestdicke der Luftschicht von 4 cm ist nicht notwendig, um Wärme- und Feuchteschutz zu gewährleisten. Die Belüftung des Hohlraums hat keinerlei Einfluss auf die Frostsicherheit der Vormauersteine. Vielmehr wirken sich bei der Verarbeitung nahezu unvermeidbare Mörtelwülste und -brücken negativ auf die Konstruktion aus. Die bauphysikalischen Bedingungen in der Wand verändern sich, sobald zweischalige Außenwände mit Wärmedämmung im gesamten Hohlraum ausgestattet werden. Die Wärmedämmung der Außenwand ist dann nicht mehr abhängig von der Austrocknungsgeschwindigkeit der Verblendschale und der Belüftung des Hohlraums, sondern wird ausschließlich durch die Stärke der Wärmedämmung sowie der Baustoffart und -dicke der Innenschale bestimmt. Die Volldämmung der Luftschicht hat keine bauphysikalischen Nachteile auf die zweischalige Wand. Um Verarbeitungsprobleme auszuschließen, sowie Funktions- und Rechtssicherheit zu gewährleisten, empfiehlt der Fachverband als sichere und normgerechte Ausführung die zweischalige Wand mit Kerndämmung.

Kerndämmung de facto

Wird die Mindest-Luftschichtdicke von 4 cm bei einer zweischaligen Außenwand mit Luftschicht und Wärmedämmung unterschritten, so gelten nach DIN 1053-1 die Regelungen für zweischalige Wände mit Kerndämmung. In diesem Fall darf der gesamte Hohlraum ohne verbleibende Luftschicht mit Wärmedämmung gefüllt werden. Die geforderte Luftschichtdicke beträgt einen Fingerspalt. Um den kapillaren Wassertransport von außen nach innen zu vermeiden, müssen dabei jedoch wasserabweisende Wärmedämmstoffe verwendet werden.

Die Untersuchung des Fachverbandes Ziegel Nord macht deutlich, dass die meisten der heute errichteten zweischaligen Außenwände nur als Kerndämmung charakterisiert werden können: Entweder wurde der gesamte Hohlraum mit Wärmedämmung gefüllt oder die angeblich luftbewegende Schicht stellte sich als Folge der baustellenüblichen Ungenauigkeit bei der Verarbeitung als ruhende Luftschicht heraus. In beiden Fällen darf nur von einem zweischaligen Mauerwerk mit Kerndämmung gesprochen werden.

Kerndämmung - geprüfte Qualität

Die in der Fachwelt lange Zeit gehegten bauphysikalischen Bedenken gegen die Kerndämmung sind heute widerlegt. Über 20 Jahre Baupraxis und Erfahrung beweisen die hohe Qualität und die Funktionssicherheit dieser Konstruktion. Bei fachgemäßer Verarbeitung ist nicht ein einziger Schadensfall aufgetreten. Fazit: Kerndämmung ist de facto ein sicher anwendbarer Stand der Technik.

Hochhaus der AEG, Berlin
Architekten: Büro Kleihues+Kleihues
Gesellschaft von Architekten mbH

Hochhaus der AEG, Berlin Architekten: Büro Kleihues+Kleihues Gesellschaft von Architekten mbH
© Stefan Müller

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2.2.5 Zweischalige Wand mit Kerndämmung

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