Architektenordner.backstein.com verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Website sind Sie mit der Speicherung von Cookies einverstanden und akzeptieren unsere Datenschutzerklärung. Ok

3.14.1-4 Zweischalige Backsteinfassaden nachträglich dämmen

Neue Standards in „alten“ Hüllen

In immer kürzeren Abständen erhöhen sich die energetischen Anforderungen an Gebäude. Die einmal für gut befundene Konstruktion droht hinter den heute notwendigen Standards zurückzubleiben. Dagegen hilft die nachträgliche Wärmedämmung der Außenwände. Eine Methode, mit der sich Energiebilanz, Wirtschaftlichkeit und Komfort zukunftstauglich vereinen lassen. Richtig gemacht können außerdem die schon vorhandenen Qualitäten des Backsteins, wie Wetterschutz, Haltbarkeit und Aussehen, auch weiterhin genutzt werden. Die einmal geschaffenen Werte bleiben erhalten, ja werden sogar noch vergrößert. Hier werden bewährte Maßnahmen aufgezeigt, Bestandsgebäude im Sinne der „Modernen Energiebauweisen“ nach zurüsten. Ausführliche Informationen finden Sie in Kapitel 7.5 bis 7.7.1.
Bestand mit ungedämmter zweischaliger
Wand aus Ziegel.

Bestand mit ungedämmter zweischaliger Wand aus Ziegel.
© Hyperdämm

Intakter Schalenzwischenraum zur
nach träglichen Kerndämmung.

Intakter Schalenzwischenraum zur nach träglichen Kerndämmung.
© Hyperdämm

Drei Möglichkeiten zur Verbesserung des Wärmschutzes

Bei zweischaligen Bauweisen bieten sich folgende Maßnahmen zur nachträglichen Dämmung an: Kerndämmung, vollständige Erneuerung der Vorsatzschale plus Dämmung und Wärmedämmverbund system (WDVS) mit Riemchen auf der bestehenden Vormauerschale. Die besten U-Werte und damit der höchste bauliche Wärmeschutz wird durch die Erneuerung der Vorsatzschale erreicht. Die am häufigsten angewandte Methode ist wegen der technischen Einfachheit und der energe tischen Wirksamkeit die Kerndämmung: Der schon vorhandene Luftraum zwischen tragender Wand und Vormauerschale wird dabei vollständig mit Dämmstoff verfüllt.

Kerndämmung - die Luft kann raus

Eine nachträgliche Vollfüllung der Luftschicht ist völlig sicher.

In nahezu drei Jahrzehnten Praxis ist bei fachgerechter Volldämmung und mängelfreier Vormauerschale kein einziger Schadensfall bekannt geworden. Selbst der befürchtete Wärmebrückeneffekt und damit Tauwasserbildung in der Konstruktion ist nicht eingetreten. Vielmehr wird das Schimmelrisiko auch an durchstoßenden Bauteilen reduziert. Zugleich wird das Temperaturniveau der innenliegenden Bauteile einschließlich der Wärmebrücken angehoben. Fachgerecht hergestellt erfüllen auch nachträgliche Dämmungen die Forderungen der DIN 1053 – dann eben als zweischalige Außenwände mit Kerndämmung.

Vollfüllen des Schalenzwischenraums durch Entnahme eines Steins
der Vormauerschale Vollfüllen des Schalenzwischenraums durch Entnahme eines Steins
der Vormauerschale. Vollfüllen des Schalenzwischenraums
durch Bohrlöcher.

Kerndämmung sicher ausführen

Garant für eine funktionierende Kerndämmung ist die fachgerechte Ausführung. Diese beginnt bei der Gebäudebestandsaufnahme. Hierbei wird die vorhandene Konstruktion auf Eignung überprüft: auf intakte Verfugung, luftdichte Bauteilanschlüsse, durchgängige Luftschicht, mangelfreie Drahtanker und regelgerechte Verarbeitungsmöglichkeit der Dämmstoffe. Für die Begutachtung der Luftschicht ist nur eine Technoskopie zuverlässig.

Und ganz wichtig: Nach der Ausführung sollte die tatsächliche Vollfüllung mittels Wärmebildkamera kontrolliert werden! All dies sind Qualitätskriterien für die Wahl eines Anbieters.

Der Zwischenraum wird mittels
Technoskopie auf Eignung geprüft

Der Zwischenraum wird mittels Technoskopie auf Eignung geprüft
© Fachverband Ziegelindustrie Nord e.V.

Hydrophobierung - der richtige Dämmstoff

Dämmstoffe für jede Art von Kerndämmung müssen nach DIN 1053 hydrophobiert (wasserabweisend), unverrottbar, nicht brennbar und umweltverträglich sein. Zur nachträglichen Dämmung werden die Dämmstoffe entweder geschüttet, eingeblasen oder geschäumt. Dafür werden Öffnungen gebohrt, besser noch einzelne Steine freigefräst und nach der Vollfüllung wieder eingesetzt.

Der Markt bietet eine Reihe von bewährten Dämmstoffen: Perlite, ein mit Silicium hydrophobiertes Lavagestein, Rigi Perl 035 und HK35, zwei Polystyrol-Partikelschäume, Rockwool-Granulat, ein naturharzgebundenes Steinwollerzeugnis, SLS 20, ein Granulat aus Blähglas und Iso-Schaum, ein Kunstharzprodukt aus dem Bergbau.

Gut informiert ist halb gebaut.

Welches Material am besten eingesetzt wird und wie sich die Maßnahme rechnet, lässt sich nur Objekt abhängig bestimmen. Ratsam sind daher immer Beratungen durch Dämmstoffanbieter und erfahrene Handwerker. Detaillierte Informationen erhalten Planer und Bauherren bei den Dämmstoffanbietern.

Hier die wichtigsten:

Gesamtverband Dämmstoffindustrie GDI
www.g-d-i.de
Perlite
www.knauf-perlite.de
Rigiperl® 035 
www.rigips.de
HK-35
www.hk-35.de
• Iso-Schaum 
www.schaumsystemzentrale.de
Steinwoll-Granulat KD
www.rockwool.de
SLS-20
www.ecoba.de

Fördermittel für energetische Sanierungen

Fördermittel für energetische Sanierungen nutzen. Angesichts der Einbaupreise von etwa 330,– bis 350,– EUR/m3 (bei 10 cm Dämmstärke also 33,– bis 35,– EUR/m2) ist eine Inanspruchnahme von Fördermitteln ratsam. So bezuschussen die Länder Hamburg und Bremen Kerndämmungen als Einzelmaßnahmen per se mit 4,– EUR/m2 (Klimaschutzprogramm „Wärmeschutz im Gebäudebestand, www.arbeitundklimaschutz. de). Die bundesweiten Fördermittel aus dem CO2-Sanierungsprogramm der KfW-Förderbank (www.kfw.de) sind zwar höher, dafür bestehen auch höhere Anforderungen an die Ausführung. Um Förderfähigkeit zu erlangen, muss die Luftschicht vollständig verfüllt sein und ein Wärmedurchlasswiderstand der Gesamtkonstruktion von mind. 2,3 (m2K)/Werreicht werden. Das bedeutet in der Praxis mindestens 8,0 cm Dämmung bzw. vorhandene Luftschicht. Die Inanspruchnahme der KfW-Mittel empfiehlt sich vor allem dann, wenn die Außenwand Teil eines ganzen Maßnahmenpaketes zur wärmetechnischen Sanierung eines Gebäudes ist.

Für die Planung solcher Sanierungen und die damit einhergehende Beantragung von Fördermitteln sollte ein zugelassener Energieberater hinzugezogen werden.

(Alle Angaben zu Preisen und Fördermitteln unverbindlich, Stand Frühjahr 2008.)

Standhafter Schutz - Kompletterneuerung Vormauerkonstruktion

Der Abriss der alten Verblendschale ist die beste Lösung für die Modernisierung eines Gebäudes. Denn mit der wärmetechnischen Sanierung kann zugleich eine langfristige Sicherstellung der Standfestigkeit verbunden werden. Dies gilt insbesondere für Gebäude, die vor 1974 errichtet wurden. Erst seit diesem Jahr sind Drahtanker aus nicht rostendem Stahl vorgeschrieben. Im Laufe der Zeit haben sich immer wieder alte Drahtanker als korrosionsanfällig erwiesen. Die oberste Bauaufsicht in Schleswig-Holstein hat daher mit einem Erlass im Jahr 2002 die Besitzer von zwei- und mehrgeschossigen Häusern aufgefordert, den Zustand der Drahtanker laufend zu prüfen.

Bei der Kompletterneuerung lassen sich durch Kerndämmung Dämmstärken von 15 cm, durch besondere Zulassung bis 20 cm realisieren. Außerdem können Wärmebrücken reduziert und die Bauteilanschlüsse nach neuesten Erkenntnissen optimiert werden. Eine solche Maßnahme lohnt sich bei einer Gesamt sanierung eines Hauses.

Angesichts steigender Energiepreise können solche Maßnahmen die Wirtschaftlichkeit schon mittelfristig deutlich erhöhen. Und mit dem gerade eingeführten Energiepass für Mietobjekte steigen bei hochwertig sanierten Objekten zudem die finanziellen Chancen der Vermietbarkeit.

Fassadensanierung durch Kerndämmung
und eine Vormauerschale
aus Backstein:
Fundament, Maueranker und
Dämmmatten, Fensteranschluss

Ein neues warmes Kleid - Verbundsystem mit Klinkerriemchen

Hoher Wärmeschutz plus alle Vorteile keramischer Fassaden: Die nachträgliche Verkleidung eines Gebäudes mit einem Wärmedämmverbundsystem (WDVS) aus Polystyrol- oder Mineralwollplatten bietet eine gute Alternative zur wärmetechnischen Sanierung, ohne auf die Qualitäten eines Ziegelsichtmauerwerkes zu verzichten. Das WDVS wird direkt auf das alte, zuvor gesäuberte, Sichtmauerwerk mittels Mörtel und Dübel aufgebracht. Darauf kommt eine Armierungsschicht aus Armierung und einem zweilagigen Mörtel. Nach vollständiger Austrocknung werden dann im so genannten Floating-Buttering-Verfahren Klinkerriemchen verklebt. Die nachträgliche Dämmung mit WDVS hat allerdings Tücken. So sollte die vorhandene Luftschicht zwischen tragender Wand und alter Vormauerschale zusätzlich als Kerndämmung vollfüllt werden. Nur so kann auch die erwünschte Dämmwirkung erreicht werden.
Verarbeitung von Riemchen auf
Wärmedämmverbundsystem:
Verkleben auf der Fläche und am
Sturz, Verfugen und Glätten.
Navigation über Tasten