6.10.1 Vermeidung von Ausblühungen

Konstruktiver Feuchteschutz

Vorrangiges Ziel von Planung und Ausführung ist es, Wasser am Eindringen in das Mauerwerk bzw. ein längeres Verweilen zu verhindern. Es gilt, über konstruktive Maßnahmen für eine schnelle und sichere Ableitung von Regenwasser zu sorgen – und zwar auf der Oberfläche der Vormauerschale.

Höchste Schadensanfälligkeit besteht an horizontalem Mauerwerk. Daher sollten handwerklich ausgeführte Mauerkronen und Rollschichten vermieden und statt dessen Fertigteile verwendet werden (siehe Elementbau 2.6.1). Eine Alternative zu derartigen Fertigteilen ist die Verwendung von Metallkonstruktionen, etwa auf der Attika oder als Fensterbank. Für die Ausbildung von Fußpunkten, Fensterbänken und Stürzen (siehe Feuchteschutz im Detail 5.2.2 und Leitdetails 6.5.1).

Funktionsfähige Attikaabdeckung

Funktionsfähige Attikaabdeckung
© HOCHTIEF Technische Beratung H. Wisslicen

Funktionsfähige Fensterbank

Funktionsfähige Fensterbank
© HOCHTIEF Technische Beratung H. Wisslicen

Reinigung und Gebrauch

Reinigung allgemein und in Verbindung mit nachträglichem Verfugen bringt eine hohe Wasserlast auf die Fassade. Insbesondere in Verbindung mit salzsäurehaltigen Lösungen erhöht sich das Risiko von Ausblühungen. Fließendes Wasser auf frischem Mauerwerk fördert per se das Ausspülen von Salzen. Durch die Reaktion des Mörtels mit der Säure wird sogar zusätzliches Calciumchlorid gebildet. Empfehlungen: Fugenglattstrich statt nachträgliches Verfugen, Mauerwerk während und unmittelbar nach Verarbeitung reinigen, größere Verschmutzungen vermeiden und nur mit klarem Wasser spülen, wenn vorher bestmöglichst trocken abgebürtstet wurde (siehe Reinigen 6.3.1).

Ausblühungen und Auslaugungen entstehen auch durch undichte Regenrohre und abtropfendes Wasser von benachbarten Bauteilen, speziell, wenn diese aus Beton bestehen. Denn auch im Beton wird Kalk aus dem Zement gelöst. Diese führen zu chemischen Reaktionen auf dem Sichtmauerwerk.

Kalkauslaugungen als Folge mangelhafter Wasserführung in der Bauphase

Kalkauslaugungen als Folge mangelhafter Wasserführung in der Bauphase
© FV Ziegel Nord

Hydrophobierung / Imprägnierung

Durch Hydrophobierung werden die oberflächennahen, kapillarsaugenden Poren von Stein und Mörtel gegen das Eindringen von Schlagregen imprägniert. Die Diffusion von Wasser aus dem Mauerwerk muss allerdings weiterhin möglich sein. Hydrophobierende Imprägnierungen bestehen in den meisten Fällen aus farblosen silizium-organischen Verbindungen – Lösemittelhaltige oder wasserlösliche Dispersionen.

Entscheidend für die Wirksamkeit sind saubere und glatte Oberflächen der Steine und Mörtelfugen. Grob strukturierte Steine, unregelmäßige Vermauerungen und schadhafte Fugen können die Hydrophobierung ins Gegenteil verkehren: Durch Risse im Imprägnierungsfilm kann Wasser eindringen, die Imprägnierung behindert die vollständige Trocknung. Folgen sind dauerhafte Durchfeuchtungen und Frostschäden. Mangelhafte Hydrophobierungen können nur äußerst schwierig nachgebessert werden.

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6.9.1 Fokus Fuge

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7.1.1 Baukosten / Gebäudeunterhalt